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Mobile Pflege Solingen

Das Konzept für unsere betreuten Wohngruppen

Demographische Entwicklung

Ursula Kremer-Preiß und Holger Stolarz weisen in der Studie „Leben und Wohnen im Alter“ der Bertelsmann Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Kuratorium Deutsche Altershilfe aus dem Jahr 2003 – die Aussagen treffen unseres Erachtens weiterhin auf die gesellschaftliche Situation zu – auf folgende demographische Entwicklung hin:
„Angesichts der demographischen Entwicklung und der zu erwartenden Entwicklungen im Bereich der Versorgungssysteme für pflegebedürftige alte Menschen in Deutschland wird das Wohnen im Alter in Zukunft mit einer ganzen Reihe von neuen Herausforderungen verbunden sein. Entsprechende Angebote müssen nicht nur den sich wandelnden Wohnbedürfnissen älterer Menschen entsprechen, sondern auch den zukünftigen gesellschaftlichen und volkswirtschaftlichen Veränderungen Rechnung tragen. …
Die Zahl der Hochaltrigen wird in Zukunft weiter deutlich zunehmen. …
Aber auch in Zukunft wird die Gruppe der „jungen Alten“ zwischen 65 und 80 Jahren die Mehrheit älterer Menschen bilden. … Der gravierendste Faktor der demographischen Alterung der Bevölkerung ist allerdings die kontinuierliche zahlenmäßige Abnahme der jüngeren Bevölkerungsgruppen unter 40 Jahren.

Zunahme alleinstehender älterer Menschen und Verringerung des Potenzials helfender Angehöriger

Durch die Zunahme von Ein-Personen-Haushalten, den zahlenmäßigen Rückgang der jüngeren Altersgruppen und die zunehmende Berufstätigkeit von Frauen wird die Pflege alter Menschen innerhalb der Familie in Zukunft immer weniger zu leisten sein.
Diese Entwicklungen in Verbindung mit der heutigen Individualisierung von Lebensformen und der steigenden Lebenserwartung haben erhebliche Konsequenzen für die Versorgung von hilfe- und pflegebedürftigen Menschen. Gegenwärtig werden über 80% der regelmäßig Hilfe- und Pflegebedürftigen zumeist durch Familienmitglieder unterstützt. Dieses unterstützende Netzwerk wird in Zukunft so nicht mehr verfügbar sein und müsste durch professionelle Hilfe ersetzt werden, es sei denn, es gelingt, nicht familiäre Hilfenetze auszubauen, die den Unterstützungsbedarf zumindest teilweise auffangen können.
Dabei muss ein weiterer Veränderungsfaktor berücksichtigt werden: die zunehmende Schwierigkeit der Finanzierung eines Versorgungssystems, an das immer mehr Anforderungen gestellt werden und für das gleichzeitig die Basis der Solidargemeinschaft immer kleiner wird. Nicht minder problematisch ist die Personalgewinnung, wenn auf überwiegend professionelle Versorgungsformen gesetzt würde.

Veränderte Erwartungshaltungen an das Wohnen im Alter

Gleichzeitig stehen wir schon jetzt vor einer veränderten Erwartungshaltung der älteren Generation. Die Ansprüche an das Wohnen im Alter haben sich gewandelt:

So lange wie möglich selbstständig wohnen …
Wachsende Zahl umzugsbereiter älterer Menschen …
Wachsender Bedarf an selbstbestimmten Wohnformen

Ältere Menschen wollen nicht fremdbestimmt in Heimeinrichtungen leben, sondern auch bei Hilfe- und Pflegebedürftigkeit möglichst ein selbstbestimmtes Leben führen.
Das Heim als institutionalisierte Wohnform, die primär auf eine funktionelle Pflege ausgerichtet ist, stößt heute auf eine erheblich geringere Akzeptanz, als noch vor einigen Jahrzehnten. 80 % der Pflegebedürftigen können sich heute ein Leben im Heim nicht mehr vorstellen und die meisten Heimbewohner sind nach Ansicht von Experten faktisch unfreiwillig im Pflegeheim.
Alter wird sich zunehmend differenzieren …

Auf diese unterschiedlichen und veränderten Wünsche an ein Wohnen und Leben im Alter, verbunden mit der demographischen Entwicklung, müssen sich sowohl die Wohnungspolitik und die Kommunalplanung als auch das Gesundheitswesen und die Pflege- und Betreuungseinrichtungen einstellen.
Wenn die Zahl älterer hilfe- und pflegebedürftiger Menschen deutlich steigt, gleichzeitig aber immer weniger Pflegebedürftige eine Heimunterbringung akzeptieren und die Tragfähigkeit familiärer Netzwerke immer mehr abnimmt, werden alternative Wohn- und Betreuungsangebote zum Heim zu erproben und auszubauen sein.“

Auftrag und Ziel des Diakonischen Werkes Bethanien e. V.

„Wir sind überzeugt, dass jeder Mensch von Gott gewollt und geliebt sowie mit seinen Begabungen und Begrenzungen einmalig ist. Unsere zwischenmenschlichen Begegnungen sollen von dieser Gewissheit bestimmt werden…
Wir verstehen die Gäste, Bewohner und Patienten unserer Einrichtungen als mündige Menschen und möchten ihnen – unter Berücksichtigung der persönlichen Lebensgeschichte – mit Liebe, Achtung und Wertschätzung begegnen.
Die jeweiligen individuellen Bedürfnisse nehmen wir ernst.“ (aus dem Leitbild des diakonischen Werkes Bethanien e. V.) Das Bekenntnis zur unverlierbaren Würde des Menschen als Geschöpf Gottes beinhaltet für uns die Verpflichtung, unsere Dienste auf höchstmöglichem Qualitätsniveau zu erbringen und die neuesten pflegewissenschaftlichen Erkenntnisse mit einzubeziehen.
Unser Ziel ist, zuverlässig und sorgfältig zu arbeiten, und die Menschen, die unsere Dienste in Anspruch nehmen, mit unserer Leistung zufrieden zu stellen, so dass ihr Vertrauen zu uns erhalten bleibt.

Eine Wohngemeinschaft für Menschen mit Betreuungs- und Pflegebedarf soll das Grundbedürfnis der Betroffenen nach einem normalen und selbstbestimmten Leben erfüllen. Ein hohes Maß an Normalität und Selbstbestimmung ermöglicht den Menschen, Zufriedenheit und Geborgenheit zu erleben. Selbständigkeit und Selbstbestimmung sind Grundvoraussetzungen, die Alltagsorientierung zu erhalten. Gewohntes, Alltägliches und Bekanntes bieten den meisten Menschen mit Betreuungs- und Pflegebedarf Halt und Sicherheit.

Bei der Ausgestaltung unseres Konzeptes „Wohngruppe für Menschen mit Betreuungs- und Pflegebedarf in Solingen“ gehen wir bei der Erstellung des Konzeptes konsequent von der Anwendung der Gesetze und Richtlinien für die ambulante Versorgung aus.

1. Grundsätze für die Alltagsgestaltung

  • Weil Erkrankte mit Betreuungs- und Pflegebedarf sich in ihrer „eigenen Lebenswelt“ befinden, ist es für den Umgang mit ihnen wichtig, ihre „Lebenswelt“ zu verstehen und zu akzeptieren.

Für die Pflege von Menschen mit Betreuungs- und Pflegebedarf sind im Laufe der Zeit mehrere Konzepte entstanden. Wir haben uns entschieden, ein spezielles, auf die Erfordernisse der Einrichtung und Betroffenen abgestimmtes Konzept, zu erstellen (Anhang).

  • Wir wollen den Alltag mit den Menschen so gestalten, dass sowohl Lebensgewohnheiten und -erfahrungen als auch familiäre und soziale Kontakte berücksichtigt werden. Hierfür werden Menschen benötigt, die mit den Betroffenen ihren Alltag leben. Wir wollen dafür keine examinierten Pflegekräfte, die den Alltag wie in einer stationären Einrichtung gestalten, sondern Alltagsbegleiterinnen mit einer speziellen Ausbildung (160 Stunden), die gemeinsam mit den Betroffenen den Ablauf des Tages festlegen. An die ambulante Versorgung angegliedert, bedeutet es, dass für die Leistungen des SGB V examinierte Pflegekräfte und qualifizierte Pflegehelferinnen eingesetzt werden, sie aber nicht konstant über den Tag in der Wohnung sind.
  • Wir verstehen die Alltagsgestaltung der Mitglieder der Wohngemeinschaft als
  • Hilfe bei der Organisation und Führung eines Haushaltes, in dem die Betroffenen im Rahmen ihrer Fähigkeiten und Wünsche in die alltäglichen Arbeiten im Haushalt mit einbezogen werden.
  • Unterstützung bei einer Tagesgestaltung, in der die Gewohnheiten und Vorlieben, Wünsche und Fähigkeiten sowie persönliche Interessen (Hobbys) der Mitglieder der Wohngemeinschaft im Tagesablauf berücksichtigt werden.
  • Förderung und Erhaltung der Fähigkeiten der Einzelnen, indem wir sie unterstützen, alle Tätigkeiten so lang wie möglich selbst auszuführen.
  • Wir wollen das Wohnumfeld mit möglichst Vertrautem gestalten, damit die Mitglieder der Wohngemeinschaft dadurch Geborgenheit und Sicherheit erleben. Das bedeutet, dass die Menschen und ihre Angehörigen die Wohngemeinschaft mit eigenen Möbeln, Bildern und vertrauten Gegenständen gestalten können.
  • Angehörige, Freunde und ehrenamtlich Tätige sollen in den Alltag der Wohngemeinschaft so mit einbezogen werden, dass sie nicht nur Besucherinnen sind, sondern sich an den alltäglichen Arbeiten und Aktivitäten beteiligen können. Auch ein „Mitleben“ für eine gewisse Zeit soll möglich sein.
  • Uns ist an einer guten und vertrauensvollen Zusammenarbeit mit anderen an der Betreuung der dementiell Erkrankten beteiligten Berufsgruppen (wie Krankengymnastinnen, Ergotherapeutinnen, Ärztinnen, Apothekerinnen, etc.) gelegen.
  • Wir wollen dafür sorgen, dass die Wohngemeinschaft im direkten gesellschaftlichen Umfeld anerkannt und akzeptiert wird. Gemeinsame Aktivitäten mit der Nachbarschaft werden unterstützt und gefördert.

Wir planen drei Wohngemeinschaften, in denen 28 Bewohnerinnen und Bewohner leben können.

In den Wohngemeinschaften werden Menschen leben, die einen Betreuungs- und / oder Pflegebedarf haben. In der Praxis wird es sich um Menschen ab Pflegestufe 0 und einem Betreuungsbedarf, der durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) festgestellt wird, handeln. Bei Personen, die noch keine Pflegestufe haben oder noch nicht vom MDK begutachtet wurden, müssen mit den Kostenträgern individuelle Lösungen erarbeitet werden.

2. Räumliche Voraussetzungen

  • Die Wirtschaftsräume und Küche werden durch den Vermieter eingerichtet. Die Gemeinschaftsräume werden mit den Möbeln der Mieterinnen gestaltet.
  • Alle Mieterinnen mieten über den Vermieter ein eigenes Zimmer und die Nutzung der Gemeinschaftsräume. Die Zimmer beinhalten ein separates Bad für jede Mieterin. Das eigene Zimmer ist nicht möbliert, das Badezimmer wie in einer Mietwohnung eingerichtet, d. h. ein Spiegelschrank und Lampen sind vorhanden.
  • Sollten ein Pflegebett oder andere Hilfsmittel notwendig sein, werden diese wie im ambulanten Bereich üblich über den Hausarzt rezeptiert und von den Pflegekassen individuell genehmigt.
  • Jedes Zimmer verfügt über einen Telefon- wie Fernsehanschluss, Geräte müssen individuell angemeldet werden.
  • Die gemeinschaftlich genutzten Räume umfassen Küche und Essraum, Hauswirtschafts- und Vorratsraum sowie kleinere Nischen, die einen Rückzug ermöglichen — auch außerhalb des eigenen Zimmers.
  • Ein separates Pflegebad ist nicht notwendig, da alle Betroffenen ihr eigenes Bad haben. Ebenso sind Arbeitsräume wie Fäkalienraum etc. nicht notwendig, da die Versorgung in der eigenen Häuslichkeit erfolgt und auch die Wäsche jeweils separat aufbewahrt und gewaschen wird.

3. Personelle Voraussetzung

Da es sich bei einer ambulant betreuten Wohngemeinschaft nicht um eine „heimliche“ stationäre Einrichtung handelt, sollten auch die personellen Vorgaben nicht an die einer stationären Einrichtung gebunden sein. Es ist sichergestellt, dass immer jemand in der Wohngemeinschaft vor Ort ist.
Hierbei handelt es sich in der Regel um eine Alltagsbegleiterin. Diese übernimmt auch kleinere pflegerische Handlungen wie z. B. Essen anreichen oder Toilettengänge neben den eigentlichen betreuerischen Leistungen. Sie unterstützt die Betroffenen bei alltäglichen Handlungen wie Essen vorbereiten, hauswirtschaftliche Leistungen oder den Tag planen.
Die grund- und behandlungspflegerischen Leistungen werden durch geeignete Mitarbeiterinnen entsprechend den Richtlinien der ambulanten Versorgungsverträge erbracht. Es werden in der Regel immer dieselben Mitarbeiterinnen eingesetzt werden. Sie unterstützen die Arbeit der Alltagsbegleiterinnen.
Des Nachts wird eine Alltagsbegleiterin oder Aushilfskraft in der Wohngemeinschaft anwesend sein, die jederzeit kleinere pflegerische Leistungen erbringen kann. Bei Problemen steht eine Rufbereitschaft mit einer examinierten Pflegefachkraft zur Verfügung, die beraten oder selbst zur Unterstützung kommen kann.
Unterstützt wird die Alltagsbegleiterin am Tag auch durch eine hauswirtschaftliche Mitarbeiterin, die sich um die Reinigung der Gemeinschaftsflächen und wenn gewünscht, auch um die Reinigung der einzelnen Zimmer der Mitglieder der Wohngemeinschaft, kümmert.
Die Mitarbeiterinnen nehmen ernst, dass sich die Mieterinnen in ihrer eigenen Häuslichkeit befinden. Hierzu gehört auch, den Tag jeden Tag neu mit den Betroffenen zu besprechen oder Pläne zu ändern, Abläufe der Aktualität anzupassen oder neu zu strukturieren. Die Mahlzeiten werden gemeinsam vorbereitet und gekocht zu den Zeiten wie die Betroffenen es wollen.
Natürlich muss es auch hier eine Absprache der Betroffenen einer Wohngruppe geben, aber dies geschieht durch die Betroffene selbst und ihre Angehörigen.

4. Finanzierung

Die Abrechnung in der ambulanten Alten- und Krankenpflege ermöglicht eine Finanzierung nach SGB V (Behandlungspflege), SGB XI (Grundpflege) und mit dem/der Leistungsnehmer/in (Eigenanteil Grundpflege, Hauswirtschaft, Betreuungspauschale) bzw. nach SGB XII. Mit jedem Mitglied der Wohngemeinschaft wird ein individueller Vertrag über die Pflegeleistungen abgeschlossen. Die Hausärztin legt fest, welche Leistungen der Behandlungspflege bei der Betroffenen erbracht werden müssen. Diese Verordnung muss von der Krankenkasse genehmigt werden.
Jede Betroffene erhält eine detaillierte Abrechnung über die Leistungen nach SGB V und XI. Diese umfasst die Leistungen, die in der Regel von Pflegefachkräften oder qualifizierten Pflegehelferinnen erbracht werden. Die Leistungen werden im Rahmen der vorhandenen Pflegestufen mit den Kassen abgerechnet; darüber hinaus gehende Beträge werden den Betroffenen in Rechnungen gestellt.

Die Finanzierung der Betreuung erfolgt über eine Pauschale. In dieser Pauschale sind u. a. folgende Leistungen (Kalkulation s. Anlage) enthalten:

  • tagesstrukturierende Maßnahmen
  • Beaufsichtigung und Begleitung
  • Anleitung und Unterstützung
  • Organisation der Hauswirtschaft
  • Zubereitung der Mahlzeiten
  • Nachtwacht und Rufbereitschaft
  • Freizeitgestaltung
  • Fahrdienst (Ausflüge, Einkaufsbegleitung, Arztbegleitung, Familienbesuche, Friedhof etc.)
  • Reinigung der Gemeinschaftsfläche
  • Wäschepflege
  • Verwaltung
  • Sonstiges

Da alle Betroffenen von diesen Leistungen der Pauschale profitieren, wird sie allen in Rechnung gestellt. Bei längeren Abwesenheiten ist eine Kürzung auf 75% nach vier aufeinander folgenden Tagen vorgesehen.
Jedes Mitglied der Wohngemeinschaft kann für die Reinigung seines Zimmers die Dienste der hauswirtschaftlichen Kräfte gegen Rechnung in Anspruch nehmen oder über seine Angehörigen die Reinigung organisieren. Es muss aber gewährleistet sein, dass das Zimmer und Bad regelmäßig (1x pro Woche) gereinigt wird. Die Mitarbeiterinnen von Bethanien mobil erstellen vier Mahlzeiten (Frühstück, Mittagessen, Kaffee und Abendessen).
Die Mitglieder der Wohngemeinschaft planen gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen die Mahlzeiten und legen die Höhe des zur Verfügung stehenden Betrages für die Lebensmittel fest. Eine Pauschale für Lebensmittel kommt zur Betreuungspauschale hinzu.

5. Zusammenwirken mit anderen Kostenträgern und Aufsichtsbehörden

Prüfungen der Kostenträger werden im Rahmen der ambulanten Krankenpflege durchgeführt. Hierfür werden alle Leistungen, die die Mitarbeiterinnen im Laufe des Tages bei den Patientinnen erbringen, in der Dokumentation der jeweiligen Patientin festgehalten. Hierbei ist es nicht relevant, ob es sich um Leistungen der Grund- und Behandlungspflege oder um Leistungen der Betreuung handelt, denn alle Leistungen werden dokumentiert.
Es findet ein regelmäßiger Erfahrungsaustausch mit der zuständigen Aufsichtsbehörde, den Mitgliedern der Wohngemeinschaft und deren Angehörigen sowie den Alltagsbegleiterinnen statt.
Im Rahmen dieses Erfahrungsaustausches können sich die Mitarbeiterinnen der Aufsichtsbehörde einen Eindruck von der Betreuung der Mitglieder der Wohngemeinschaft machen – ohne dass es zu einer klassischen Begehung wie in einer stationären Einrichtung üblich – kommt. So kann dem Anspruch der eigenen Häuslichkeit bei den Mitgliedern der Wohngemeinschaft Rechnung getragen werden.

6. Mitwirkung der Mitglieder der Wohngemeinschaft und ihrer Angehörigen bzw. gesetzlichen Betreuer

Die Mitglieder der Wohngemeinschaft bzw. deren gesetzliche Vertreter schließen sich mit einer Vereinbarung zu einer Gemeinschaft zusammen, die dazu dient, das Miteinander in der Wohngemeinschaft zu gestalten, gemeinsame Interessen gegenüber Dritten zu vertreten sowie die Gemeinschaft betreffende Geschäfte abzuschließen.
In dieser Vereinbarung gibt es Festlegungen in Bezug auf das Verfahren sowie die Art und den Umfang des gemeinsamen Einkaufs von Lebensmitteln, Verbrauchsgütern des täglichen Lebens, Ausstattungsgegenständen für den gemeinschaftlich genutzten Wohnraum, Kassenführung durch beauftragte oder gewählte Person, Vereinbarungen in Bezug auf die Tagesgestaltung innerhalb der Wohngemeinschaft.
Eine WG-Ordnung regelt das gemeinschaftliche Leben. Diese wird von den Mitgliedern der Wohngemeinschaft und deren Vertreterinnen erstellt.
Es werden regelmäßige Versammlungen aller Mitglieder der Wohngemeinschaft und ihrer Vertreter stattfinden. Die Einladung erfolgt im Regelfall vier Wochen vor dem Termin schriftlich und geschieht durch die Vorsitzende der Versammlung. Diese wird in der ersten Versammlung der Mitglieder der Wohngemeinschaft und deren Vertreterinnen gewählt.
Die Vorsitzende wird für einen Zeitraum von einem Jahr gewählt. Auf Antrag kann eine Neuwahl nach Ablauf eines kürzeren Zeitraums erfolgen. Aufgaben und Kompetenzen der Vorsitzenden gestalten sich wie folgt:
a) Sicherstellung der Sitzungsregularien (Entgegennahme von Anträgen zur Tagesordnung, Erstellung der Tagesordnung, Einladung zur Sitzung, Moderation der Sitzung, Erstellung eines Ergebnisprotokolls)
b) Ansprechpartnerin für Dienstleister und andere Dritte
Die Vorsitzende hat grundsätzlich nur repräsentative und Moderationsaufgaben. Im Einzelfall kann sie durch ausdrückliche Beauftragung der Gemeinschaft zur Umsetzung von Entscheidungen ermächtigt werden.
Die Gemeinschaft strebt an, alle Konflikte, die innerhalb der Gemeinschaft und/oder mit Dritten entstehen partnerschaftlich-demokratisch und mit dem Ziel eines einvernehmlichen Ergebnisses zu lösen.
Zum Zwecke der Schlichtung kann ggf. die Moderation durch eine unabhängige Person genutzt werden. Die Gemeinschaft behält sich vor, die hier vereinbarten Regeln bei Bedarf anzupassen. Der Zweck der Vereinbarung muss davon allerdings unberührt bleiben.

Anhang

Pflegetheorie – Pflegekonzept

Für die Pflege von Menschen mit dementiellen Erkrankungen sind im Laufe der Zeit mehrere Konzepte entstanden. Wir haben uns entschieden, ein spezielles, auf die Erfordernisse der Einrichtung und Bewohner abgestimmtes Konzept zu erstellen.

Das Rahmenmodell der ganzheitlich fördernden Prozesspflege

von Monika Krohwinkel
Dieses Modell enthält das AEDL-Strukturmodell, bestehend aus 13 Aktivitäten und existentiellen Erfahrungen des täglichen Lebens. Bei der fördernden Prozesspflege liegt ein besonderer Stellenwert auf den Fähigkeiten des pflegebedürftigen Menschen.
Ein Schwerpunkt in der Pflege und Betreuung liegt in einem fähigkeits-, ressourcen- und förderungsorientierten und nicht in einem defizitorientierten und versorgenden Ansatz. Einen weiteren Schwerpunkt bilden prophylaktische Maßnahmen.

Biografiearbeit nach Erwin Böhm

Erwin Böhms Leitsatz lautet: „Wir sind zum Leben, zum Wiederaufleben und Lebendig sein und nicht zum Aufheben in einer bestimmten Institution geschaffen“.
Das Ziel seines Konzeptes liegt in der Beziehungspflege und in einer „Seelenpflege“, das Pflegepersonal soll therapeutisch, Symptom lindernd bzw. heilend wirksam sein. Sein Pflegeverständnis basiert auf der Annahme, dass das Lebensmotto eines älteren Menschen in seiner Prägungsgeschichte begründet ist. Durch das Kennen und Verstehen der Lebensgeschichte verändert sich beim Pflegenden die Toleranzgrenze und die Sichtweise zu bestimmten Pflegeproblemen und damit ändern sich auch Pflegehandlungen.

Validation nach Naomi Feil

Validieren bedeutet, „die Welt“ der Betroffenen betreten, Gefühle und Verhaltensweisen der Betroffenen ernst nehmen und wertschätzen.
Dieses Verhalten des Pflegenden gegenüber dem Pflegebedürftigen erhöht dessen Selbstwertgefühl, was notwendige Voraussetzung für erhöhte soziale Integration schafft.

Erkenntnisse der basalen Stimulation

Dadurch sollen Fähigkeiten zur Wahrnehmung, Bewegung und Kommunikation der Bewohner gefördert werden.

Konzept des personenzentrierten Ansatzes von Kitwood

Der von Kitwood entwickelte Ansatz der personenzentrierten Pflege stellt die Einzigartigkeit der Person in den Mittelpunkt. Der Erhalt und die Stärkung des Personseins ist sein oberstes Ziel in der Betreuung dementiell erkrankter Menschen. Die aus diesem Konzept resultierende Grundhaltung gegenüber Demenz und dementiell erkrankten Menschen und die „positive Arbeit an der Person“ bilden die Basis für den Wandel der „alten“ in eine „neue“ Pflegekultur.

Erkenntnisse der Milieutherapie

Unter Milieutherapie wird ein therapeutisches Handeln zur Anpassung der materiellen und sozialen Umwelt an die krankheitsbedingten Veränderungen der Wahrnehmung, des Empfindens, des Erlebens und der Kompetenz der dementiell Erkrankten verstanden. Die Milieutherapie stellt ein umfassendes Betreuungskonzept dar, in dessen Zusammenhang sich der Begriff „Milieu“ sowohl auf die räumliche Umgebung als auch auf Umgangsformen und Aktivitäten bezieht. Kalkulation der Betreuungspauschale

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